Hessischer Bildungsserver

Zwei Module zum Thema Hochbegabung für alle drei Phasen der Lehrerbildung

(Stand: 06.05.2010)

 

                       

Im Rahmen eines Kooperationsprojektes zwischen dem Hessischen Kultusministerium (HKM), dem diesem nachgeordneten Amt für Lehrerbildung (AfL) und der Karg-Stiftung für Hochbegabtenförderung wurden seit dem Sommer 2006 inhaltliche Vorgaben für die Lehreraus- und -fortbildung erarbeitet. Das Projekt diente der Erstellung von zwei Modulen zur Psychologie und Pädagogik der Hochbegabung für alle drei Phasen der Lehrerbildung (Studium, Referendariat bzw. Vorbereitungsdienst und Lehrerfortbildung) und erstreckte sich über drei Jahre. HKM und AfL stellten personelle Ressourcen, Arbeitsstrukturen, inhaltliche Kompetenz und das über acht Jahre gewachsene landesweite Gütesiegel-Hochbegabung-Programm zur Verfügung; die Karg-Stiftung steuerte Finanzmittel für die Durchführung von Veranstaltungen und ebenfalls personelle Ressourcen bei.

 

Zunächst wurden an drei hessischen Studienseminaren Ausbilderinnen und Ausbilder in die Grundlagen und Aspekte von Hochbegabung und Hochbegabtenförderung eingeführt, welche diese daraufhin ihrerseits in der Referendarausbildung weitergaben. Nach der darauffolgenden Evaluation dehnte sich das Projekt auf weitere Studienseminare aus, um schließlich möglichst viele Referendarinnen und Referendare zu erreichen. In der ersten Erprobungsphase lagen die Modulinhalte zunächst in vorläufigen Arbeitsfassungen vor, die später diversen Überprüfungen unterzogen wurden.

 

Das erste Module enthält die psychologischen Grundlagen zum Thema Hochbefabung:

 

Pädagogisch-psychologische Grundlagen hoher Begabung bei Schülerinnen und Schülern

 

 

Lehrerinnen und Lehrer sind aufmerksam und sensibel für hohe Begabungspotenziale von Schülerinnen und Schülern. Sie

- kennen die wesentlichen Ergebnisse des aktuellen Forschungsstandes zur Ausprägung und zum Vorkommen von hohen Begabungen bei Schülerinnen und Schülern,

- unterscheiden systematisch wie auch zielgruppenspezifisch zwischen hoher Begabung als kognitivem Potenzial einerseits und hoher Leistung als bereits realisierter Größe andererseits,

- kennen die mit Minderleistung bei Hochbegabten verbundenen Probleme (sog. Underachievement) sowie die zugehörigen Ausprägungsformen und den entsprechenden Hilfebedarf,

- suchen im Bedarfsfall für Diagnostik und Beratung den Kontakt zu Schulpsychologinnen und -psychologen bzw. zu kompetenten begabungsdiagnostischen Beratungsstellen,

- beziehen leistungsbezogene Entwicklungsstände und Lernpotenziale der Schülerinnen und Schüler auch aus dem außerunterrichtlichen Bereich mit ein,

- kennen Lern- und Entwicklungsbedürfnisse hochbegabter Kinder und Jugendlicher,

 

Das zweite Modul widmet sich der unterrichtspraktischen Umsetzung in der Schule:

 

Integrative Förderung hochbegabter Schülerinnen und Schüler an Regelschulen

  

Lehrerinnen und Lehrer sprechen hochbegabte Schülerinnen und Schüler möglichst individualisierend inmitten vielfältig aufgefächerter Unterrichtsbedingungen in der Klasse an, um auch sie im Hinblick auf ihre Leistungspotenziale optimal zu fördern und zu fordern. Sie

- besitzen ausgeprägte Förderkompetenz für hochbegabte Schülerinnen und Schüler im Sinne einer möglichst individuellen Begleitung und selbstbestimmter Lernprozesse mit Hilfe geeigneter pädagogischer Methoden integrativer und ganzheitlicher Förderung,

- verfügen über Kenntnisse zur Didaktik und Methodik der Hochbegabtenförderung im Regelunterricht ihrer Schulform (auf der Grundlage der einschlägigen schulformübergreifenden und -bezogenen Handreichungen und Grundsatztexte des HKM),

- sind in der Lage, didaktische Prozesse und pädagogische Hilfsmittel zu modifizieren, individuelle Förder- und Lernpläne zu erstellen, ein Lerntagebuch zu führen usw.,

- suchen bei Schülerinnen und Schülern mit besonderen schweren (Verhaltens-)Problemen und gleichzeitiger Hochbegabung den Kontakt zu den schulpsychologischen Ansprechpartnerinnen und -partnern mit der Zuständigkeit für das Thema Hochbegabung und den hierfür benannten sonderpädagogischen Ansprechpartnerinnen und -partnern aus ausgewählten Beratungs- und Förderzentren (BFZ),

- vermitteln interessierten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zur Teilnahme an geeigneten außerschulischen Fördermaßnahmen,

- wissen um das Erfordernis regelmäßiger Weiterbildung zu Themen der Hochbegabtenpädagogik.

 

Beide Module sollen eine feste Verankerung in allen drei o.a. Phasen der Lehrerbildung in Hessen finden und darüber hinaus auch anderen interessierten Ländern und Institutionen angeboten werden.

 

Walter Diehl

Walter.Diehl@hkm.hessen.de
Tel. 0611 - 368 - 2708 
                       - 2518/ -2223/ -2611

http://dms-schule.bildung.hessen.de/allgemeines/begabung/